ODYSSEE

Integrative Kunst Performance

Jeden Morgen beginnt das Hämmern im Stahlbaubetrieb auf dem Hofgut Habitzheim. Das rhythmische Schlagen von Eisen auf Eisen hallt schon seit mehreren Jahren durch die alten Mauern der Werkstatt. Seit einigen Wochen jedoch hört man zwischen den Schlägen unterschiedliche Stimmen. Arabisch, Urdu und Dari mischt sich unter das Deutsch, das hier sonst gesprochen wird. Die Schmiede, in der eigentlich Meister und Gesellen Auftragsarbeiten für Gotteshäuser, Denkmäler und Privatkunden umsetzen, ist für 4 Monate im Ausnahmezustand. Seit Mai erschafft der Bildhauer Georg Friedrich Wolf hier mit mehreren Dutzend geflüchteten Menschen eine massive Skulptur aus Stahl und Holz.

Bis Anfang September erlernen Vierer-Gruppen von Frauen und Männern jeden Alters das Schmieden von großen, eisernen Nägeln. Sie erhitzen Eisenstangen auf über tausend Grad, spitzen das Ende durch Schläge zwischen Amboss und Hammer und formen dann jeweils zu zweit einen Nagelkopf durch abwechselndes zuschlagen. Hin und wieder betritt zögernd ein Bewohner der umliegenden Dörfer die Werkstatt. Man stellt sich vor und kommt ins Gespräch – mit Händen, Füssen und etwas gebrochenem Deutsch. Dann bekommt der Neuankömmling eine Lederschürze und darf ebenfalls einen Nagel schmieden. An einem Amboss in der Ecke steht ein Geselle und lässt sich Namen notieren. Basir, Ahmed, Karl, Layla - jeder versieht einen geschmiedeten Nagel mit dem eigenen Namen.

In den ersten zwei September Wochen wird die Kunst-Performance ihren Höhepunkt erreichen. Dann kommen die tausenden geschmiedeten Nägel zum Einsatz. Sie halten die schweren Holzbalken mit Hilfe von Eisenstreifen zusammen. Nach und nach errichtet Wolf und alle jene, die dafür zurück gekommen sind, auf einem Feld ein abstraktes Floß. 

Am Ende dieser intensiven vier Monate steht zwar ein klares Werk, dennoch bezeichnet Wolf diese Arbeit als Performance. Denn das gemeinsame Errichten und das monatelange Schmieden aller Beteiligten sind der Kern seines Kunstwerkes.

Hunderte Nägel sind schon entstanden, mehrere Dutzend Namen wurden bereits verewigt. Und es kommen immer mehr Menschen, um Teil zu haben an dieser außergewöhnlichen Aktion. Jeder Geflüchtete, der hier lernt und schmiedet bekommt am Ende ein Zeugnis. Dieses soll ihr oder ihm helfen, auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Die Erfahrung in einem lokalen Betrieb gearbeitet zu haben, die Kontakte, die hier geknüpft werden und der positive Aktionismus, so ist sich der Künstler sicher, hilft jedem Einzelnen.

Ein Blick in die Schmiede bestätigt diese Einschätzung. Jeder, der hier mitmacht, tut dies mit Enthusiasmus. Hier wird der Härte des oft leeren Alltags in den Unterkünften getrotzt, selbst im Moment, da der Ramadan die körperliche Arbeit besonders anspruchsvoll macht. Wolf holt so viele Menschen wie möglich, im wahrsten Sinne an Bord seiner Aktion. „Sollte es so weiter gehen wie bisher, wird es eine große Skulptur“ sagt er stolz. Der Künstler ist überzeugt davon, dass das Projekt dazu beiträgt, sich gegen die Krise in der sich Europa befindet zu stellen. „Wir lösen hier sicher keine übergeordneten Probleme, das wollen und können wir auch gar nicht. Aber das Großartige an der Kunst ist ja, das sie nicht lösungsorientiert arbeitet sondern für sich steht. Wenn wir uns ohnmächtig vor einer Situation finden, müssen wir etwas scheinbar sinnloses tun, um in Bewegung zu bleiben, nicht zu stagnieren und uns unseres Menschseins zu vergewissern“.

Alle, die hier teilnehmen verstehen das und spüren es. Mit jedem Schlag auf den Amboss werden hier Kommunikationshürden eingeschlagen, Alltagssorgen und Ärger abgebaut und Zuversicht geschaffen.

"Auf keinen Fall dürfen wir Geflüchtete als Gäste behandeln, die jederzeit wieder nach Hause geschickt werden können", sagt Wolf. Deutschland ist ein Einwanderungsland. Wichtig ist Wolf auch, dass es sich hier nicht um ein soziales Projekt handelt. Daher können Kunstliebhaber Patenschaften für in das Kunstwerk verbaute Nägel übernehmen. Ab zehn Nägeln, bekommt der Sponsor ein Exemplar mit Zertifikat und Signatur des Künstlers für die eigene Sammlung.

Fassungslos steht Deutschland vor den Ausmaßen der aktuellen Flüchtlingskrise. Angesichts der gesellschaftlichen, politischen und vor allem humanitären Herausforderungen fühlen wir uns hilflos. Der Stahlbildhauer Wolf beschäftigt sich mit dieser überwältigenden Situation und schafft ein Projekt, das der Ohnmacht trotzt. In seiner Werkstatt in Hessen arbeitet der Künstler mit Einwanderern und allen, die gemeinsam aktiv werden wollen, an einer inklusiven Kunst- Performance. Mit „Odyssee“ stellt Wolf der Krise das entgegen, was er als Künstler leisten will und kann. Er setzt die Kunst als Medium zwischen den Menschen ein, um durch die Aktion und das Schaffen miteinander und mit sich selbst in Kontakt kommen zu können und die Erlebnisse der Flucht zu verarbeiten.

Im Jahr 2015 kamen mehr als eine Million Flüchtlinge nach Deutschland. Studien zufolge müssen in den kommenden Jahren Hunderttausende neue Arbeitsplätze geschaffen werden (Institut der Deutschen Wirtschaft Köln). Wolf glaubt daran, dass beim Erlernen von Handwerk und Berufen Selbsthilfe nötig ist und nicht durch zu hohe Anforderungen verhindert werden darf. „Gute Integration entsteht dort, wo ein kulturelles Netzwerk die Ankommenden aufnimmt und einen sozialen Aufstieg ermöglicht.“

PHASE I

Nach genauer Planung in Zusammenarbeit mit den Behörden ist es Wolf seit dem 1. Mai 2016 möglich, Interessierte aus den lokalen Flüchtlingsheimen zu einem Praktikum einzuladen. Dazu stellt er jeweils Vierer-Gruppen zusammen. Da die meisten Teilnehmer Sprachkurse besuchen, lernen sie für jeweils einen halben Arbeitstag in den Betriebsräumen des Wolf’schen Stahlbaubetriebes an Schmiede und Amboss.

Alle Beteiligten schmieden vor allem große eiserne Nägel. Dieser Arbeitsgang ist in ein bis zwei Tagen erlernt. Im Team wird das Gelernte angewandt, verfeinert und optimiert. Die Teilnehmer erhalten einen ersten Eindruck über einen klassischen deutschen Betrieb und bekommen Techniken der Metallverarbeitung vermittelt.

Am Ende dieser Phase erhält jeder Teilnehmer ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Durch den Kontakt zu den Mitarbeitern setzt Wolf eine erste Kommunikation in Gang. Die Teilnehmer stammen aus unterschiedlichen Ländern und verstehen und sprechen kaum Deutsch. Doch die non-verbale Verständigung, die in einer Werkstatt mit entsprechender Arbeitslautstärke üblich ist, lässt diese Sprachschwierigkeiten in den Hintergrund treten und gibt somit dem Geist des gemeinsamen Schaffens mehr Raum.

Im Verlauf des Sommers lässt Wolf eine große Anzahl von Teams diesen Prozess des Nagelschmiedens durchlaufen. Auch Außenstehende, Freunde oder Familie, sowie jeder interessierte Bundesbürger ist eingeladen hinzuzukommen, um mit der Gravur des eigenen Namens in einem selbst geschmiedeten Nagel aktiv an Werk und Kommunikation zu partizipieren.

PHASE II

Die viermonatige Ausbildungsphase wird Anfang September 2016 in zwei gemeinsamen Arbeitswochen münden, während dieser alle Beteiligten gemeinsam unter Wolf’s Leitung eine Skulptur in Form eines Floßes erbauen werden. Dicke Holzbalken werden mit Blech und Nägeln beschlagen, ähnlich wie bei Wolfs Destination-Art-Performance „Strandgut“.

Die Arbeit wird von allen gemeinsam auf einem Feld des Hofguts Habitzheim installiert. Dort wird das Floß als Ergebnis des gemeinsamen Schaffens und als Symbol der Überfahrt, der Flucht, der Reise und aller damit verbundenen Aspekte, und natürlich auch dem Gedenken an die Ertrunkenen, stehen. Später wird die Skulptur an einem Ort im öffentlichen Raum oder im Rahmen einer musealen Institution installiert.

BEWUSSTSEIN SCHAFFEN UND KOMMUNIKATION BEGINNEN

Die beschriebene Kunst-Performance möchte auf allen Ebenen Bewusstsein schaffen: den Flüchtlingen wird sowohl die Gelegenheit geboten, die eigene Situation und die Fluchterlebnisse zu verarbeiten als auch durch handwerkliche Tätigkeit an einem Kunstprojekt teilzuhaben, das der eigenen Flucht gewidmet ist. Hinzu kommt das Verfassen der persönlichen Notizen, die der Zeit anvertraut werden.

Auch der Ort Habitzheim, hat Wolf nicht zufällig für dieses Projekt gewählt. „Habitzheim hat eine lange Geschichte mit dem Thema Flucht und Integration“.

Es ist die enorme Kraft des gemeinsamen, künstlerischen Schaffensprozesses, die über Kulturgrenzen hinweg eine kommunikative Brücke schlägt. Wolf erklärt, dass er durch seine Kunst-Aktion die starke gesellschaftliche Isolation der Flüchtlinge durchbrechen will, indem er die Bevölkerung zum Mitmachen auffordert und unkomplizierte Möglichkeiten bietet, sich handfest in das Projekt einzubringen. Das Projekt soll Offenheit fördern und helfen, sprachliche und kulturelle Kommunikationsgrenzen zu überwinden.

Wolf zeigt der Öffentlichkeit, mit welch ernsthaftem Interesse und enormem Einsatz die Teilnehmer den Klischee-Bildern widersprechen. „Unsere gemeinsame Arbeit soll primär zeigen, dass handwerkliches Arbeiten wenig Sprachverständnis, sondern vor allem Interesse, Beobachtungsgabe und Aufmerksamkeit benötigt,“ so Wolf.

Die Aktivitäten finden an den Wochenarbeitstagen statt, weil es Wolf um den Alltag der Beteiligten geht „und nicht um ein Kultur- oder Freizeit-Programm für den Sonntagnachmittag.“

WERKBESCHREIBUNG

Der Beitrag des deutschen Künstlers Wolf könnte aktueller nicht sein. Unter dem Titel "Odyssee" wird danach gefragt, was Kunst und gemeinsames Schaffen zur Integration der Einwanderer beitragen können. Der aus der griechischen Antike stammende Begriff "Odyssee" ist treffend gewählt: entlehnt aus Homers gleichnamiger Dichtung, ist er Synonym für eine nicht enden wollende Irrfahrt. "Unser Ziel ist es, einen Anfang zu machen, eine Plattform zu schaffen, auf der sich beide Seiten, Flüchtlinge wie Einheimische, für ein Miteinander öffnen können”, sagt Wolf. Diese Plattform abstrahiert Wolf in seinem Floß. Ein Floß ist ein Rettungsvehikel einerseits, bedeutet aber auch Verderben andererseits. Für diejenigen, die sich nach einem Schiffbruch auf ein Floß retten, ist der Überlebenskampf noch nicht vorbei. Ein Floß verfügt weder über Antrieb, noch über ein Steuer - es treibt. Ziel und Ausgang der Fahrt sind völlig offen.

Wolfs Floß, gezimmert aus den recycelten Balken alter Scheunenabrisse, wird zusammen gehalten durch Eisenbleche, mit hunderten von eingeschlagenen, geschmiedeten Nägeln. Der Nagel ist das älteste bekannte Verbindungselement der Eisenzeit, Grundlage unseres Fortschritts. Kein Haus, kein Schiff existierte ohne den stählernen Nagel. Stahl ist historisch, wirtschaftlich wie kulturell, ein die Menschheit entscheidend definierendes Material. Härtbarer Stahl wurde bereits bei den Hethitern vor ca. 3500 Jahren hergestellt, gleichermaßen für Waffen wie Pflugschare. Die technisch-wirtschaftliche Entwicklung des Stahls, und seine Bedeutung für unsere Kultur wie auch für die Rüstung, bedingen seinen enormen, brisanten politischen Einfluss.

Für Wolf ist Kunst eine Form der Kommunikation über Raum und Zeit hinweg. Die urtümlichsten Überlieferungen stammen aus der bildlichen Darstellung, Wandmalereien der Höhlenmenschen. Nonverbale Kommunikation, der "Geist" eines Ortes, ist es, dem Wolf bei der Wahl des richtigen Ortes für seine Projekte immer wieder folgt. In der Gegend von Habitzheim siedelten vor rund 400 Jahren nach dem 30-jährigen Krieg Hugenotten, die der Landesherr eingeladen hatte, die Pestentvölkerte Region neu zu bevölkern.

Die verfolgten und vertriebenen Flüchtlinge fanden hier eine neue Heimat. Vor diesem Hintergrund, diesem „Genius loci“, wählte Wolf den Ort für die Odyssee-Performance. Das Gesamtwerk des Künstlers vereinen die Leitmotive Stahl, Wasser und Reise. Für "Strandgut" verbrachte Wolf im Februar 2014 viele Tage an einer einsamen Küste am Nordatlantik. Während dieser Zeit lebte er bei rauen Temperaturen in einem Zelt am Strand. Dort schuf er eine mit Eisen und Stahlnägeln beschlagene Kugel aus Holz, fast mannshoch und eine Dreiviertel Tonne schwer, die er anschließend, als Symbol für die Verlorenheit des Menschen in der Natur und den Drang zur Kontaktaufnahme mit dem unbekannten Menschen jenseits des Horizontes, mit eigener Kraft in die wilden Fluten des Meeres rollte. Nun kommen Flüchtlinge aus unserer Perspektive von jenseits des Horizonts her und nehmen Kontakt mit uns auf. http://www.wolf-werk.com/de.performance.strandgut.html

Anders sein Projekt "Shipsoul". Nachdem Wolf die Schiffsfriedhöfe von Alang, dem größten Abwrackplatz der Welt, auf der Suche nach Materialien für seine Skulptur tagelang durchstreift hatte, schuf Wolf innerhalb eines sehr intensiven Monats Januar 2016 in der geißelnden Hitze an einem Strand südlich von Bombay eine sieben Meter hohe und drei Tonnen schwere Plastik aus den Stahlabfällen der Riesen der Meere. Thema war hier der Kreislauf der Materie, Recycling, Wiedergeburt, und die Frage nach dem Verbleib der Seele. Durch die Gegenüberstellung von überwältigender Natur, praller Lebensfreude, der Katastrophe und der Ästhetik der Skulptur, wird der Betrachter umso eindrücklicher auf die Missstände in der Welt aufmerksam gemacht. „Durch seine Kunst schafft Wolf aus aussichtslosen Situationen Potenziale“ sagt der indische Künstler Ratnadeep, sein Kollaborateur am Projekt Shipsoul: http://www.wolf-werk.com/de.performance.shipsoul.html

In Indien zu arbeiten verändert den Blick des Künstlers", sagt Wolf. "Man wird gezwungen, sich von allem Überflüssigem zu befreien. Das wird in Zukunft im Alltagsleben auf dem ganzen Planeten notwendig sein." Mit diesen Themen spielt auch die Werkreihe "Missing Piece", die zum Gallery Weekend im Mai 2016 vor der Deutschen Oper in Berlin präsentiert wurde.

Motive des Künstlers, wie die Einbeziehung von Zeitgeschehnissen und signifikanter sozialer Strukturen, können bis an die Anfänge der Menschheit ihre kunsthistorischen Herleitungen finden. Interpretationen von Wolfs "Odyssee" können im Floß einen Hinweis auf die biblische Arche Noah oder auf das Lebensschiff als eine Allegorie auf das menschliche Leben sehen. Das berühmteste Floß der Weltgeschichte ist jenes, das aus Teilen der Fregatte "La Méduse" gebaut wurde.

So weist die Symbolik des Floßes in Géricault's Gemälde "Das Floß der Medusa" (1819) auf die gegenwärtige Häufung von Krisen, die Gefahr, sie nicht rechtzeitig in ihrem Ausmaß zu erkennen, und über mögliche Auswege aus einer sich eventuell anbahnenden Katastrophe hin. Kunsthistoriker Albert Eisen glaubte, dass Géricaults "Floß der Medusa" und Delacroix's "Massaker von Chios" (1824) Auguste Rodin auf einer heroischen Skala mit den unschuldigen und namenlosen Opfern einer politischen Tragödie konfrontierte und so zu seiner monumentalen Skulptur "Das Höllentor" (1880-1917) inspirierte. J. M. W. Turners Gemälde "Das Sklavenschiff" (1840) nimmt Stellung zu aktuellen Ereignissen des englischen Empire. Wie seine Zeitgenossen Anish Kapoor, Anthony Gormley und Christo steht Wolf für eine Praxis, die Kunst und Aktionismus verbindet und damit den Nerv der Zeit trifft.

"Wir leben in einem Moment, in dem sich Verschiedenheit überall auf der Welt als Hässlichkeit zu verbreiten scheint", sagt der Künstler in Bezug auf die Flüchtlingskrise in Europa. „Ich möchte dem die Kunst entgegenstellen. Dieser Tragödie ein massives Floß entgegenzustellen, das diesen Wellen trotzt und die Schönheit und Kraft menschlicher Brüderlichkeit trägt, treibt mich vorwärts. Ich tue das nicht aus sozialer Verantwortung", stellt der Künstler klar, "sondern aus persönlicher Dringlichkeit." Voraussetzung dafür ist ein partizipatorischer Entwurfsprozess, um die Bedürfnisse der eingewanderten künftigen Bürger zu definieren. Zentrales Thema ist dabei immer wieder die Frage, wie man Probleme kultureller und wirtschaftlicher Ausgrenzung lösen kann. Wolf möchte keine politische Diskussion anheizen und kann auch keine Lösung bieten, sondern Anstöße für Ideenfindungen kreieren. Damit veranschaulicht Wolf die poetische Dimension menschlichen Handelns. Kunst, wie schon bei Rimbaud und Proust, ist etwas nur durch den Menschen mögliches. Wolf bietet uns die Möglichkeit, über den Erwerb einzelner Nägel, die stellvertretend im Kunstwerk verbaut werden, aktiv Teil des Kunstwerkes und der ganzen Aktion zu werden. Mit "Odyssee" zeigt Wolf, wie Kunst zu Integration, Kultur und Gemeinschaftlichkeit beitragen kann und uns so umso intensiver daran Teil haben lässt.

Kunst bringt uns durch die Abstraktion dazu, genauer hinzusehen. Abstraktion öffnet die Bereitschaft, die eigene Phantasie einzusetzen, zu verstehen, zu interpretieren, weit mehr, als es durch die realistische Vorhaltung der Umstände gelänge.