Wolfs Stahlskulpturen verraten unmittelbar nichts vom Leben des Künstlers. Der Künstler verschwindet hinter seinem Werk, der reinen abstrakten Form. Dennoch sind es sehr persönliche Arbeiten. „Der Zyklus THE MISSING PIECE ist eine Essenz meiner Lebensgeschichte. Mein Werk geht aus meinem Leben hervor“, stellt Wolf fest: „Durch meine Reisen in der arabischen Welt, in Asien und Indien sowie durch mein Geschichtsinteresse habe ich mich mit Fragen der Kommunikation, der Menschheitsgeschichte, der Völkerverständigung und Toleranz beschäftigt. Diese Auseinandersetzung hat mich auf die Frage des MISSING PIECE gebracht.“

Auch wenn Wolf sich seit Jahrzehnten mit dem Material Stahl auseinandersetzt und um die Möglichkeiten seiner Bearbeitung weiß, nimmt er im Schaffensprozess das entstehende Werk nicht unbedingt selbst in die Hand. Er findet die Spezialisten und Betriebe, die seine Vorstellungen umsetzen können. „Für mich ist die Distanz zur Herstellung wichtig. Durch Distanz behalte ich den Überblick“, erläutert Wolf abschließend: „Mein Werk ist die Abstraktion. Ich will meine Lebensfragen in einem gegenständlichen Werk formulieren. Wenn ich einen Gedanken, ein Gefühl, ein Problem in einem Entwurf formulieren kann, ist das ein faszinierender Moment. Wenn außenstehende Betrachter angesichts eines Werkes plötzlich eigene Gefühle und Gedanken entwickeln, auch aus völlig anderen Perspektiven als ich selbst, ist das ein anderer, ähnlich faszinierender Vorgang. Ich glaube, wenn ich auf einer einsamen Insel die Möglichkeit hätte, würde ich weiter solche Dinge machen, auch wenn das niemals ein Mensch sieht. Ich habe manchmal von einem eigenen Kunstwerk nach einem längeren Zeitraum ein ganz anderes Bild als zum Zeitpunkt der Entstehung. Meine Wahrnehmung ändert sich. Mein bisheriges Schaffen verdichtet sich. Es sammelt sich eine Kraft an. Ich will einen Gedankenprozess in Gang setzen, in mir selbst, in den anderen und in der Kommunikation. Daraus entstehen neue Werke. Ich bin sicher, im MISSING PIECE stecken Werke, von denen wir jetzt noch nicht das Geringste ahnen. Das Thema ist noch lange nicht ausgeschöpft. Das fängt gerade erst an.“