Shipwreck

Zyklus 1992 – 2013
15 Werke unterschiedlicher Größe und Beschaffenheit

Wenn Stahl den auf ihn einwirkenden Kräften erliegt, versucht er diesen auszuweichen. Daraus resultieren fließende Verformungen. Die Formen entstehen nicht zufällig, sondern den inneren Gesetzen des Materials folgend. Mit der Klugheit des Materials findet Stahl den Weg des kleinsten Widerstandes, die reduzierte Oberfläche, den Kraftschatten. Mit kollabierten Stahlplatten und Trägerprofilen macht Wolf die Kraft des Stahls gerade im Augenblick seines Versagens sichtbar. Im Anblick der Deformation lassen Wolfs "Shipwrecks" die Gewalt physisch spürbar werden. Trotz des brutalen Vorgangs ist die resultierende Formensprache elegant und harmonisch. Ein enormer Gegensatz von Ereignis und dessen Ausdruck.

Shipwreck ist ein Zyklus im Spannungsbogen von Gewalt und Schönheit. Der Titel erzählt vom Meer, von dessen Bezwingung durch den Menschen, aber auch von der Vernichtung des Menschen durch die Kraft des Meeres. Schiffe gehören zu den großen technischen Leistungen des „Homo Faber“, gebaut aus dem stärksten Material, das dem Menschen zur Verfügung steht, aus Stahl. Doch wo das Meer zuschlägt, beugt es auch den Stahl. Die Shipwrecks sind eine Metapher für technisches Versagen von Menschenwerk, von dessen nichtbestehen im Ausgesetztsein den Kräften der Natur, auch von menschlicher Selbstüberschätzung, oder der Fehleinschätzung von physikalischen Grenzen und von Naturgewalt.

Von diesen Gegensätzen fasziniert entstehen über Jahre immer wieder Arbeiten zum Zyklus „Shipwreck“. Nach den starkwandigen Blechen sind es vor allem Trägerprofile, die Wolf der gezielten Überlastung aussetzt. Gerade Konstruktions-Träger sind Sinnbild der unerschütterlicher Stärke und Tragfähigkeit von Stahl. Sie sind Ausdruck technischer Leistungsfähigkeit und kulturellen Fortschritts – kein Produktionsüberschuss, kein Wohlstand, keine Kultur ohne Stahl. Aber Stahl bedeutet neben Beherrschung und Macht auch Kampf und Untergang.