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Erzengel Michael

Solidarische Kunst - Der Engel gegen die Seuche

Im Corona-Jahr 2020 erschafft der Darmstädter Stahlbildhauer Georg-Friedrich Wolf  eine abstrakte Skulptur aus gespendetem Alteisen. In einer einmaligen Aktion für Gemeinschaft und Optimismus sucht der Künstler die von vielen zusammengetragenen Fragmente unserer auf Eisen gestützten Technik und Kultur als verbindendes Element in der Krise einzusetzen.

Filmpremiere
„Porträt der Entstehung des Erzengel Michael 2020“
​​​​​​​von Philip Flämig

Während das Land im Lockdown liegt entsteht im Atelier des Darmstädter Bildhauers Georg-Friedrich Wolf die imposante Stahlskulptur „Erzengel Michael 2020“: 7 m hoch, 3,5 Tonnen schwer, aus dem „Schrott“ der Bürger*innen gefertigt.. Auf Einladung des Instituts für Neue Technische Form (INTeF) stellt der Künstler am 9. Oktober 2020 den Kurzfilm „Portrait der Entstehung des Erzengel Michael 2020“ von Philip Flämig vor, und berichtet von der „heißen“ Kontroverse rund um die Großplastik.

Aktionsaufruf

Als der Stahlbildhauer Anfang April den Aufruf startet, man möge als gemeinsame Aktion gegen die Ohnmacht „sein persönliches Alteisen“ zur Schaffung der Assemblage „Erzengel Michael 2020“ spenden, treffen hunderte von verschiedensten Gegenständen ein: Schippen, Kinderwagenräder bis hin zu einem historischen Mähwerk. Ein Brückenteil und Fassgauben gesellen sich dazu.

Der Künstler nennt es „unseren Schrott“. Zu 100% recyclefähige Überbleibsel der stark auf Eisen basierenden Industriekultur; Erinnerungs-geladene Aspekte unseres Alltags. Georg Friedrich Wolf setzt sie als Zeichen der menschlichen Hybris zu einem abstrakten Engel des 21. Jahrhunderts zusammen, dem „Erzengel Michael 2020“, der der Legende nach die justinianische Pest besiegte.

Open Air Preview

Aus dem Atelier wandert die fertige Stahlskulptur im Juli 2020 zunächst auf die Stettbacher Höhe. Inmitten der malerischen Rheinebene entfaltet sie ihre Größe. Viele Spender*innen der Einzelteile, Kunstliebhaber*innen und Anwohner*innen pilgern zu der Skulptur unter freiem Himmel. Die gemeinsame Anstrengung – und gleichsam Hoffnung auf ein Ende der Ohnmacht in der Pandemie ist spürbar.

Filmportrait

Philip Flämig hat den gesamten Prozess mit der Kamera begleitet. Sein Kurzfilm zeigt sowohl die Energie des Künstlers als auch die Stärke des Stahls, aber vor allem die verbindende Kraft der Kunst.

Als die Skulptur im August 2020 auf dem neu gestalteten Friedensplatz aufgestellt wird, entflammt eine Diskussion, die kontroverser nicht sein könnte. In Gesprächen und Korrespondenzen erreichen Wolf begeisterte wie wütende Zurufe. Der Künstler geht persönlich auf die Kritik ein, spricht mit den Unterstützern wie Schmähern, ebenso wie mit den Passanten

Dialogische Kommunikation

„Mein Hauptziel bei der Entwicklung und Realisierung der Skulptur war es, in der Situation des Lockdown Kommunikation zu erzeugen, Menschen zusammen zu bringen; wenn schon nicht körperlich an einem bestimmten Ort, dann doch durch eine gemeinsame Aussage, ein verbindendes Werk. Dieses Ziel wurde weit übertroffen: mehrere hundert Materialgaben, mehrere hundert E-Mails, eine ganze Menge Presseberichte und unzählige Leserbriefe, hunderte, wenn nicht tausende Fotografien“, sagt Wolf.

Dass die Wahrnehmung der Großplastik so vielfältig wie verschieden, und vor allem mit Energie-geladen ist, freut und beeindruckt den Künstler. Es scheint als träfe die Skulptur „Erzengel Michael 2020“ den Nerv der Zeit, und spiegelt den repräsentativen Querschnitt der Meinungsäußerungen wider.


Aufruf zur Aktion

Der Darmstädter Stahlbildhauer Georg Wolf verarbeitet gespendetes Alteisen in eine abstrakte Skulptur.

Ich rufe die Einwohner Darmstadts und Umgebung auf, mir Alteisen oder ungenutzte Stahlteile zu bringen. Aus diesem, von Ihnen zusammengetragenen Material werde ich eine Skulptur erschaffen, die den Menschen angesichts der in unserer Zeit einzigartigen gesundheitlichen, wirtschaftlichen und sozialen Krise wieder Mut und Zuversicht geben soll. Diese, aus der Vielzahl der von ihnen beigetragenen Eisenstücke, entstehende Skulptur thematisiert abstrakt den Erzengel Michael, wie er über den Dächern der Engelsburg in Rom thront. Der Erzengel wird dort als Bezwinger der Justinianischen Pestepidemie dargestellt, der zum Zeichen des Sieges über die Seuche sein gezücktes Schwert zurück in die Schwertscheide steckt.

Kultur und Solidarität

Angetrieben von der aktuellen Corona-Krise, will ich in diesem Kunstwerk Kultur und Solidarität in der Gesellschaft thematisieren. Es darf und soll jeder ein Stück dazu beitragen. Ich will alle Materialspenden zu einem großen, gemeinsamen Werk zusammenfügen. Karitas, Solidarität, Geist und Seele sind die herausragenden Eigenschaften, die uns als Menschen auszeichnen. Daraus schaffen wir Kultur!

Gerade in Krisenzeiten will ich die Rolle der Kultur hervorheben, die uns Menschen vom reinen Überlebenstrieb des Tieres unterscheidet. Kultur gibt dem Menschen Identität und Würde. In Zeiten wie diesen, sind das fundamentale Werte. Seit vielen Jahren schon setze ich mich anhand meiner Skulpturen vielseitig mit der menschlichen Hybris auseinander; dem Glauben, die Natur beherrschen zu können.

Wie groß dieser Irrtum ist, führt uns die Covid-19-Epidemie mit großer Wucht vor Augen. Auch unsere technische „Macht“ kann uns nur sehr bedingt schützen.

Stahlskulptur mit positiver Kraft

Die Errichtung dieser Skulptur soll uns angesichts von Lockdown und Selbstisolation mit der notwendigen, positiven Kraft erfüllen, diese Krise letztendlich gemeinsam zu überwinden. 

Jeder von uns hat ein Stück ungenutztes Eisen im Haus, im Keller, im Garten oder in der Garage.

Bringen Sie es mir für das gemeinsame Werk! Egal ob Gartenstuhl, Blecheimer, Schraubenschlüssel, Mistgabel, oder einfach ein Stück Eisen. Ich sammle und verarbeite alles, was Sie mir bringen. Der Bau der großen, abstrakten Engelsskulptur soll damit zu einem Werk von uns allen werden.

Was
Alle Arten von Gegenständen des täglichen Lebens, oder vom Bau, oder der Technik, die aus Eisen/Stahl bestehen, Holzbestandteile stören nicht.

Was Nicht
Bitte keinen Müll, keine ganzen Autos oder Dinge aus Materialkombinationen.

Wohin
Bringen Sie Ihr Stück zu Wolfs Atelier, dem Wolf-Werk, Halle 109 in der Landwehrstraße 75, 64293 Darmstadt.
Legen Sie es auf den Koordinaten

   49° 52' 52,262" nördliche Breite
   8° 38' 15,467" östliche Länge

auf der Skulptur „Sehnsucht“ vor der Halle ab. Das ist ohne Kontaktaufnahme möglich. Sollten Sie keine Möglichkeit haben ihr Stück zu transportieren, helfen wir gerne.

Wie

  1. Wenn sie möchten, machen Sie ein Foto von ihrem Gegenstand aus Eisen oder Stahl. Wenn Sie möchten, gerne auch mit Ihnen selbst auf dem Bild.
  2. Schicken Sie dieses Bild per E-Mail an erzengel.michael@wolf-werk.com
  3. Haben sie etwas zur augenblicklichen Situation oder zur Idee eines Erzengel Michael zu sagen, so teilen Sie es mir bitte auf gleichem Wege via E-Mail mit.
  4. Nach Fertigstellung der Skulptur, wenn der Engel sein Schwert einsteckt, erhalten Sie per E-Mail eine Einladung zur Ausstellung des Werks.

 

Auf meiner Webseite können Sie mitverfolgen, wie die Skulptur entsteht.

Darmstadt, im April 2020